Der Eingang zum balinesischen Tempel wird bewacht

Bali: bunt, voll und laut

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Indonesien

Ich irre durch ein Wirrwarr aus kleinen Gassen in denen sich ein Geschäft an das nächste reiht. Warte – Hier war ich bereits. Die Oma in der Tür habe ich eben schon gesehen. Innehalten. „Hello Miss“ – „Taxi, yes Miss“ Neu orientieren. „Where are you going?“ – „Look, lady!“ Lächeln, höfflich ablehnen und alles kommende stur ignorieren. Am besten war jedoch folgender Verkaufsversuch: um ihre Armbändern an die Frau zu bringen, warf die Verkäuferin mir von hinten rechts den Spruch: „Sexy Body“ zu. Ich war in voller Klamotte am Strand spazieren, es war früh am Morgen und sie eine ältere Dame. Verwirrend. Einfach weiter gehen. Das Gassen-Chaos erinnert mich an Marrakesch. Das Straßenbild auf Bali wird jedoch noch durch abertausende Rollern und eine Hand voll Autos abgerundet. Selbst durch die schmalsten Durchgänge drücken sich noch Zweirädern. Alles ist auf Bali beengt. Selbst die Hauptstraßen von Kuta nach Ubud (43km) wirken nach deutschen Standards wie Seitenstraßen. Im direkten Vergleich zu australischen Verhältnissen, wo Seitenstraße Dimension von Highways erreichen und Autofahrer Fußgänger gerne den Vortritt lassen, halten balinesische Straßenverhältnisse einen kleinen Kulturschock für mich bereit. Autos parken wild. Motorrad drücken sich rechts und links an Autos vorbei. Dazwischen laufen verwirrte Touristen umher – mich miteingeschlossen. Immer wieder bleibe ich an Kreuzungen stecken. Ich weiß nicht, wie man bei dem Verkehrschaos die andere Straßenseite erreichen soll. Das Motto lautet: Augen zu und durch?! Endlich auf dem Bürgersteig warten jedoch weiter Hindernisse auf den Fußgänger. Neben den parkenden Autos, provisorischen Tank-Stationen und der Auslage der Verkaufsstände, wurden noch alle paar Meter Opferköpfchen auf dem Boden platziert. Ganz zu schweigen von den klaffenden Löchern im Gehweg. „Taxi, Taxi?“– vielleicht sollte ich wirklich auf ein Motorbike hinten drauf hüpfen. Zwar will ich nur wenige Meter gehen, aber zum Spazieren laden die Gegebenheiten wirklich nicht ein.

Die Motorroller dominieren das Straßenbild auf Bali

Die Motorroller dominieren das Straßenbild auf Bali

Alles ist in Indonesien verhandelbar. Eine Übernachtung kostet irgendwas unter 10€ (= ca. 150.000 Indonesische Rupiah), ein anständiger Kaffee wiederrum ist mit ca. 2€ so teuer wie ein ganzes Abendessen. Eine Fahrt in den nächsten Ort ist mit 20€ schon fast kostspielig. Da es in Bali keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, ist man auf Taxis angewiesen. Das spiegelt sich Preis wieder. Selbst mit meinem Grab-Fahrer (die asiatische Konkurrenz zu uber) musste ich im Chat via Google-Translator über den Preis nachverhandeln. Das hebelt zwar den Grundgedanken der Ride-share-Apps aus den Fugen, aber was soll man machen? Durch das ewige Verhandeln fällt es mir schwer ein Gefühl für die indonesische Währung zu entwickeln. „Good price, good price“ Und manchmal führt die Mentalität dazu, dass ich Dinge kaufe, die mir weder passen noch gefallen, wie z.B. die Wickelhose. Der Stoff hat Goldapplikationen! Genau genommen habe ich in diesem Fall nicht aktiv verhandelt, der Preis ist trotzdem gefallen. „I make you a local price!“ Schlussendlich war die Hose absolut billig – und damit meine. Was ich mit dem unförmigen Ding jetzt anstelle, weiß ich nicht. Vielleicht ist es möglich die Wickelhose in eine Tasche oder ähnliches umzuarbeiten. Mal sehen… Im Verhandlungsspiel versagt habe ich aber erst im Anschluss auf dem Markt. Ich wollte Bananen, die ältere Dame mehr Geld. Ich habe gedacht, dass die Verkäuferin 5.000 IDR meinte, sie sagte wohl 50.000 IDR. Das ist definitiv zu viel! Das Obst war aber bereits verpacken und Weitergehen somit keine Option. Zeit zu Verhandeln! Das Mütterchen sprach nur Indonesisch, ich Deutsch oder Englisch (und ein bisschen spanisch). Behelfsmäßig wedelten wir mit Geldscheine in herum und sie nahm mir einen Schein nach dem nächsten ab. Am Ende waren es 30.000 IDR – so viel kostet ein komplettes Gericht. Ich habe es für ein paar Bananen bezahlt. Das Mütterchen hat mich über den Tisch gezogen. „Terima Kashi“ (= dt. Vielen Dank!)

Für den Tempel-Besuch habe auch mich mal versuchsweise in einen Sarong geschmissen.

Für den Tempel-Besuch habe auch mich mal versuchsweise in einen Sarong geschmissen

Jedes Haus im Ort Ubud sieht wie ein Tempel aus. Um Gebietsstätten zu identifizieren, hält man am besten nach Tafeln mit Hausregeln Ausschau. Bei der Kleiderordnung sind die Balineser strenger als der Türsteher des Mailänder Doms (zur Erklärung: hier wurde mir bereits zwei Mal der Eintritt verweigert). Bei den Tempeln wird der Besucher nicht nur gebeten sich züchtig zu kleiden, sondern die traditionelle Kleiderordnung zu folgen. Vor dem Eintritt schlinge ich mir also den einen Schal um die Schultern und den zweiten um die Hüften. Einige Balineser, insbesondere Männer, tragen den Sarong auch im Alltag. Warum sollte man sich in eine Jeans quetschen, wenn man sich auch einfach ein luftiges Tuch um die Hüften binden kann. Bei der Hitze ist die zweite Option definitiv die bessere Wahl.

Ist es ein Wohnhaus (links) oder doch ein Tempel (rechts)?

Ist es ein Wohnhaus (links) oder doch ein Tempel (rechts)?

Auf den Straßen Balis gibt es viel zu entdecken. Ein Taxifahrer zupft mit einer Pinzette einzeln seine Barthaare heraus, während er auf Kundschaft wartet. Mit strahlenden Augen geht eine Touristin beim Schmuckstand auf Schatzsuche. Am Straßenrand scharen sich Männer um einen Hahn, um das Tier besser begutachten zu können. Ich habe gelesen, dass der Hahnenkampf auf Bali beliebt sei. Auf dem Bürgersteig balanciert eine Balineserin mehrere Flechtkörbe auf ihrem Kopf. Und an der Ecke schnitzt ein Mann hochkonzentriert an einer Holzfigur. Für den unbedarften Beobachter hält der Ort ein Schauspiel des Chaos bereit. Eine einzige Reizüberflutung!

Frau arbeitet in den Reisfelder bei Ubud

Um etwas Ruhe zu finden bin ich über die Reisfelder spaziert

Hat man genug vom Getümmel in Ubud, begibt man sich auf einen Spaziergang durch die umliegenden Reisterrassen. Ich kann empfehlen früh morgen loszugehen, damit man nicht, wie ich, bei der Mittagssonne über die Felder läuft. Zwar überholt mich auch hier der ein oder andere Roller, aber ansonsten ist es ruhig. Palmen spenden Schatten und in der Ferne wackeln Enten durch die feuchte Erde der Reisfelder. Unterbrochen wird die Landschaft durch kleine Opfertempel, Vogelscheuchen und Holzverschläge. Malerisch! Verständlicherweise haben sich entlang des Weges eine paar Künstler angesiedelt. Zeichnungen auf Bali sind zumeist kleinteilige Tuschezeichnung. Der Bambus dient traditionell als Mal-Werkzeug und wird auch heute noch verwendet, wie mir ein Maler erklärt. Man könnte meinen ich hätte mich auf dem Spazieren in eine andere Welt teleportiert.

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