Floria_Surf

Einmal nichts tun in bitte – Florianópolis

Kommentare 0
Brasilien

Eigentlich habe ich erwartet, dass sich die Fahrt von Uruguay nach Brasilien nicht allzu kompliziert gestalten würde. Und irgendwie hatte ich im Februar beschlossen, dass ich alle langen Busreisen hinter mir gelassen habe, da wir in Argentinien, dem acht größten Land der Welt, hauptsächlich geflogen sind. Und ja ich bereise zwar noch Brasilien, aber lediglich den Süden des Landes – das zumindest habe ich selbst versucht einzureden. Oh wie hab ich mich geirrt. Brasiliens ist fast vier mal so groß wie Argentinien und es sind von Punta del Diabolo nochmal 2200 km, die ich zurück legen muss, bis ich mein Ziel Rio de Janeiro erreiche – der Endpunkt und Abflughafen meiner sechs-monatigen-Reise. Zwar habe ich hierfür 22 Tage Zeit, jedoch ist mein erster Zwischenstopp in Brasilien Florianópolis. Es liegt genau auf der Hälfte der Strecke liegt. Von Tür zu Tür bin ich auf Grund von Verspätungen, mehreren Umstiegen und langen Wartezeiten schließlich 24 Stunden unterwegs. Zur Abwechselung hatte es nichts mit dem Grenzübertritt zu tun, der fast unbemerkt an mir vorbeigezogen ist. Um acht Uhr abends erreiche ich völlig erschöpft das Hostel. Hier spricht jeder von einer Latino-Party – ohne mich, danke! Ich brauche Schlaf, einfach nur Schlaf.

Floria_Berg

Aus einer wurden erst vier, dann sechs Übernachtungen – und trotzdem habe ich es nicht geschafft, die Insel Ilha de Santa Catarina/Florianópolis auch nur ansatzweise zu erkundet. Zu meiner Verteidigung kann ich nur vorbringen: die ersten zwei Tage hat es aus Kübeln geschüttet (ich glaube, es war mein erster richtiger Regen in sechs Monaten). Außerdem ist der Strand direkt vor der Hostel-Tür äußerst einladend. Nur einmal schaffe ich es mich von dem Strand loszureißen, um die Insel von Oben zu betrachten. Das eigentliche Ziel des kleinen Hikes ist die nächste Bucht Praia da Galheta mit ihren noch höheren Wellen, dem blauen Wasser – und wie ich dann feststelle dem FKK-Bereich. Erstmal geht es aber bei schwülstem Wetter steil den Berg hoch. Auf der Bergkuppe wird man belohnt mit einem rundum Ausblick auf die Lagune mit dem Flusszulauf, die umliegenden Dörfer und Sanddünen. Den matschigen Trampelpfad nach oben zu finden, gestaltetet sich jedoch schwieriger als erwartet, denn der Weg führt gut versteckt mitten durchs Gestrüpp. Schnell ist klar, dass Flip-Flops nicht ganz die richtige Schuhwahl waren – auch wenn am Ende ein Strand wartet. Eigentlich sollte ich es mittlerweile besser wissen. Durch das ewige vorwärts stolpern sind Füße und Knie nach dem Hike geschunden und, wie ich später bemerke, verschwindet Matsch nicht einfach wieder durch einen Sprung ins Meer. Nach zwei Stunden sehe ich aus wie eine Fünfjährige. Zurück gibt es glücklicherweise auch einen Bus. Das war genug körperliche Betätigung für den Rest der Woche.

Floria_Beach

Mein Rückzugsort der Strand Barra da Lagoa, die ganze Insel eigentlich, ist berühmt für ihre guten Wellen. Ich glaube ich bin die einzige im Hostel, die nicht weiß, wie man surft und es auch nicht lernen will. Schon bei festem Untergrund schaffe ich es kaum, mich aufrecht zu halten. Ich falle eher durch mein Leben als aufrecht zu gehen und in keiner Wirklichkeit sehe ich mich stehend auf einem Board über Wellen gleiten – nein, ich bleibe lieber im Sand sitzen und beobachte die vielen kleinen Punkte im Meer. Manchmal wirkt die Bucht eher wie ein Kampfgebiet als ein Vergnügen. Täglich pilgere ich zum Strand und zurück, plansche in den seichten Wellen fern von den Surfer und gönne mir frisches, eisgekühltes Kokosnuss-Wasser. Den Menschenmassen kann man einfach am kilometerlanger Sandstrand entfliehen. Die mobilen Caipirinha-Stände tragen ihr übriges zur vollkommenen Gesamtsituation bei. Florianópolis hier könnte ich bleiben.

Schreib einen Kommentar