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Endlich! Auf geht’s zum Inselparadies Karimunjawa

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Indonesien

Wenn man „Strand“ und „Java“ googelt spuckt das Internet neben mittelmäßigen Stränden die Karimunjawa-Inseln aus. Ein Bild war ausreichend, um mich zu überzeugen: dort will ich hin! Leider ist das nicht einfach. Die Inselgruppe versteckt sich mit ihren weißen Stränden, dem kristallklarem Wasser und den Korallenriffen etwa 80 Kilometer vor der Nordküste Central Java’s. Theoretisch fahren täglich Boote, aber bei starkem Wellengang geht gar nichts. Man liest, dass Besucher entweder in der Hafenstadt Japura ausharren oder auf den Inseln festsitzt. Bei meiner Internetrecherche stolperte ich auch über eine Flugverbindung: Airfast Indonesia startet jeden Dienstag und Donnerstag von Surabaya. Online kann man jedoch nichts buchen. Per Telefon ist es möglich Tickets für einen Tag zu reservieren, bezahlen muss man aber direkt vor Ort. Es war Dienstagmorgen, ich war zu diesem Zeitpunkt noch in Surabaya und habe sehnlich versucht die Fluggesellschaft zu erreichen. Tut… Tut… Tut… erst am Mittwochnachmittag habe ich jemanden erreicht. Ich fliege! In die Propeller-Maschine passen nur zehn Passagiere und das Cockpit ist offen, sodass man den Piloten bei der Arbeit zusehen kann. Das Flugzeug war winzig. Beim Check-in musste nicht nur mein Gepäck, sondern auch ich gewogen werden. Ich dachte erst, ich hätte den Mann am Schalter falsch verstanden, als er mich bat aufs Gepäckband zu steigen. Aber nein, es hat alles seine Richtigkeit.

Boarding beim kleinsten Flugzeug und der erste Blick auf die Inselgruppe Karimunjawa

Mit einer Mini-Maschine geht es zur Inselgruppe Karimunjawa

Ob Auto oder Motorbike, Rikscha oder Schubkarre (am Vulkan Ijen) alles wird als Taxi zweckentfremdet, solange das Gefährt Rollen und einen zusätzlichen Sitzplatz besitzt. Das Angebot „Transport, Miss“ gehört zum Grundrauschen einer Indonesien-Reise. Ständig und überall bietet jemand einem eine Mitfahrgelegenheit an. Umso größer der Schock als ich den Flughafen bzw. Landeplatz verlasse und der Hof menschenleer ist. Was nun? Mein Hostel liegt im Dorf am anderen Ende der Insel. Und 18 Kilometer sind zu weit um sie zu Fuß zurück zu legen – insbesondere mit an die 20 Kilogramm Gepäck. Ich hatte mich einfach nicht informiert. Habe keinen Shuttel bestellt. Habe einfach vertraut. Und jetzt. Leid verbindet: ein andere Flug-Gast nimmt sich meiner an. Er wolle sich eh einen Roller mieten und ich könne gerne mitfaren. Aber ich reise mit eineinhalb Backpacks und er hat ja auch einen. Geht das? Ja es geht. Mein Monstrum quetschen wir zwischen Lenkrad und Sitz. Ich nehme hinten Platz. Auf dem Rücken trage ich seinen Rucksack und als Gegengewicht habe ich mir mein Handgepäck vorne umgehängt. Beladen wie wir sind müssen wir leicht verrückt aussehen – und dann auch wieder nicht. In Südostasien kann ein Roller schließlich eine ganze Kleinfamilie, einen halbe Haustand oder eine Garküchen transportieren. Wohl fühle ich mich bei der Aktion trotzdem nicht. Glücklicherweise sind die Straßen auf Karimunjawa fast leer und Johannes fährt vorbildlich. „Roller fahren in Indonesien“ kann ich hiermit von meiner Bucket-Liste streichen. Selbstfahrer traue ich mich trotzdem nicht.

Das Meerwasser ist in der Uferregion Karimunjawa's glasklar

Das Meerwasser ist in der Uferregion glasklar

Ich verbringe drei wunderschöne Tage im Paradies. Das Wasser ist pupswarm, durchsichtig und maximal knietief. Aber wer will schon schwimmen. Stundenlang liege ich im seichten Gewässer und genieße das Leben. Die Uferzone gleicht einer riesigen Badewanne. Man lässt sich treiben, während Strandbuden sich um das täglich Wohl kümmern. Schaukeln, Hängematten und Hocker, die im Wasser installiert wurden, laden zum Plantschen ein. Um mehr als nur die Hauptinsel von der Inselgruppe Karimunjawa zu erkunden, nimmt man am besten an einer Schnorchel-Tour teil. Mit einem Fischerboot schippert man von einer Insel zur nächsten. Zwischendurch springt man mit Taucherbrille und Schnorchel ins Wasser. Bei meinem Ausflug wurden insgesamt fünf Schildkröten gesichtet. Aber Achtung: die Sonne hat Kraft! Für eine schattige Erholungspause flüchtet man sich entweder unter die Palmen am Strand oder sucht im Ort eines der Gastronomiebetriebe auf. So habe ich zum Beispiel den halben Samstag mit einer anderen Reisenden quatschend im Café verbracht. Abends versammelt man sich allerdings nicht im Lokal, sondern im Park. Nach Sonnenuntergang errichten die Marktdamen auf der Grünfläche ihre mobilen Restaurants. Gekocht wird am Grill und über dem Gaskocher. Es gibt Geschirr, die Tische sind niedrig und der Gast sitzt auf dem Boden. Bei der breiten Auswahl an Meerestieren verwandelt sich das einfache Abendessen schnell in ein Festmahl. Zur Abwechslung wird der Fisch nicht frittiert, sondern gegrillt serviert. Hervorragend! Wenn man möchte bestellt man dazu gebratenen Reis, gönnt sich vielleicht einen Maiskolben und schlürft einen frisch gepressten Saft. Was will man mehr?

Genug geschwärmt! Eventuell habe ich mir beim Sonnenbad ein wenig das Gehirn verkohlt. Am Montag lasse ich das kleine Paradies hinter mir. Mit dem Schnellboot geht es zurück nach Java und dann mit dem Minibus in den Süden nach Yogjakarta. Ich danke der Forschung für ein Mittel, das gegen Reiseübelkeit hilft. Selbst bei guten Wetter ist die zwei-stündige Überfahrt nicht ohne.

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