Damen am Straßenstand in Yogyakarta

Entdecke das kulturelle Herz Javas in Jogja & Solo

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Indonesien

Bei meinem Morgenspaziergang durch die Stadt Yogyakarta – oder einfach „Jogja“ – quatscht mich zwei Männer von der Seite an. Woher ich komme und was ich machen? Ich bleibe verhalten, denn irgendwer will einem doch immer irgendetwas in Indonesien verkaufen. Aber nein, die beiden wollen sich wirklich nur auf Englisch unterhalten. Der ältere Herr ist Lehrer und steht kurz vor der Pensionierung, während sein Sohn bald mit seinem Englisch Studium beginnt. Zwar höflich, aber unnötigerweise werden beide nicht müde ihre mangelnden Englischkenntnisse zu entschuldigen. Sie geben mir Tipps für meine Zeit in Yogyakarta und erklären mir wie ich die berühmten Tempel mit den Öffentlichen erreichen kann. „Advice free of charge!“ Da der Sultanspalast für die bevorstehenden Festivitäten anlässlich des Unabhängigkeitstags geschlossen ist, beschließen die Herren mir den Wasserpalast zu zeigen. Es läge eh auf ihrem Heimweg. „Walking and Talking!“ Wir unterhalten uns über die Stadt, Geschichte und Politik. Beim Markt muss ich allerlei Süßes probieren, das über die Stadtgrenzen Yogyakarta beliebt sei, und im Anschluss kehren wir noch schnell in ein kleines Café ein bevor sie mich an dem Wasserpalast abliefern. Im Café wird der teuerste Kaffee Javas angeboten, der erst durch den Verdauungstrakt einer Wildkatze wandern muss bevor die Bohnen weiterverarbeitet werden. Mir wird neben der Espresso-Kanne noch eine Probierportion des Gewürz-Kaffees vorgesetzt. Beides schmeckt hervorragend, aber der Kaffee hat es in sich! Meine Stadtführer wollen mir leider nicht mit dem Kännchen helfen, denn sie bevorzugen heute Nacht ruhig schlafen zu können. Aha! Unsere Wege trennen sich nach einer kurzen Foto-Session: die Kellnerin und ich. Klick. Der Lehrer und ich. Klick. Und zum Anschluss noch ein schnelles Gruppenfoto. Klick. Immer wieder werde ich auf meiner Indonesien-Rundreise um Fotos gebeten. Ich verstehe den Zweck zwar nicht, aber was soll’s.

Zum Sonnenuntergang am hinduistischen Tempel Prambanan

Zum Sonnenuntergang am hinduistischen Tempel Prambanan

Am Nachmittag folge ich dem Ratschlag der Herren und nutze das Bussystem, um die alte hinduistische Tempelanlage Prambanan zu erreichen. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang stehe ich auf dem Gelände. Die Anlage wurde ca. im 7Jh. errichtet und die drei größten Hauptschreinen sind den drei Göttern Shiva dem Zerstörer, Vishnu dem Bewahrer, und Brahma dem Schöpfer geweiht. Das alles erklärt mir eine Indonesierin, die ich im Bus kennen gelernt habe. Ich wirkte verwirrt und sie fühlte sich zuständig. Wie der Zufall so will, studiert sie Tourismus und als Teil ihrer Fortbildung gibt sie Besuchern kostenlose Führung am Prambanan Tempel. Sie führt in ihrer Erklärung aus, dass ursprüngliche an die 200 Schreine auf dem Gelände standen. Aktuell bemüht sich der Staat die Stätte weiter zu rekonstruieren, allerdings ist es pro Jahr nur möglich einen Schrein wieder zu errichten. Auch die drei Hauptschreine wurden nach Jahrhundert der Vernachlässigung und Naturkatastrophen mühsam wiederaufgebaut – zuletzt erschüttert ein starkes Erdbeben Yogyakarta 2006. Der Wiederaufbau sei wie puzzeln ohne Bildvorlage oder Bauplan. Überall liegen verstreut noch Steinbrocken herum, gelegentlich fehlen Verzierungen an den Schreinen oder eine Statue ist beschädigt, und trotzdem die Anlage überwältigt mich! Wandert man über das Gelände bekommt man einen guten Eindruck von der einstigen Schönheit und den Umfang der Tempelanlage.

Den morgen verbringe ich am buddhistischen Tempel Borobudur

Den morgen verbringe ich am buddhistischen Tempel Borobudur

Am nächsten Morgen bin ich bereits um 5 Uhr wieder auf den Beinen. Dank des Katzen-Kaffees war es leider eine kurze Nacht, doch für manches lohnt es sich früh aufzustehen. Mein Retter aus Karimunjawa ist ebenfalls nach Jogja gekommen und gemeinsam wollen wir den buddhistischen Tempel Borobudur erkunden. Mit dem Roller brettern wir eine gute Stunde über Schnellstraßen. Noch ist alles verlassen. Auf unserem Rückweg teilen wir uns die Straßen allerdings mit Autos, Bussen und LKW. Gruselig und definitiv nicht zu vergleichen mit dem Fahrterlebnis auf der einsamen Insel Karimunjawa. Aber alles gut! Johannes fährt hervorragend und ich schließe einfach die Augen, wenn es mir zu abenteuerlich wird. Am Tempel zeigt sich schnell, dass sich die frühe Anreise gelohnt hat. Obwohl der Tempel eine Hauptattraktion der Region ist, haben wir die Anlage fast für uns allein. Um 8Uhr sind die Tourbusse abgefahren, die die Touristen zum Sonnenaufgang herbringen, während der durchschnittliche Individualtourist noch beim Frühstück im Stadtzentrum sitzt. Am Borobudur ist es jetzt leise. Mystisch hängt der Nebel in den Bäumen und der Vulkan Merapi erhebt sich über die Landschaft. Der buddhistische Tempel wurde wahrscheinlich Anfang des 7Jh. errichtet. Begraben unter vulkanischer Asche und wuchernder Vegetation war die Stätte über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten und erst 1814 wiederentdeckt. Auch der Tempel Borobudur wurde im letzten Jahrhundert liebevoll restauriert. Leider setzten die nicht abreißenden Touristenströme dem Bauwerk weiter zu. In seiner viereckigen Grundform erinnert mich der Tempel an einen Maya Pyramide – nicht das ich schon eine bewundert hätte. In jeder Glocke (ich nenne sie mal so) versteckt sich ein halbwegs kompletter Buddha. Oftmals fehlt der Statue allerdings der Kopf. Ein aufmerksamer Betrachter kann die Aufbauarbeit an den unterschiedlichen Farbnuancen der Steine und bei der mancherorts mangelnden Verzierung erkennen. Trotz der verstreichenden Jahrhunderten gibt es heute noch detaillierte Steinmetzarbeiten auf den einzelnen Stockwerken zu entdecken. Ich könnte ewig hier oben verweilen, um die Glocken schlendern und in das Tal blicken. Aber genug – es ist höchste Zeit für ein Frühstück. Auch der stärkste Katzen-Kaffee verliert irgendwann seine Wirkung.

In Yogyakarta nehme ich an einem Bartik-Workshop teil

In Yogyakarta nehme ich an einem Bartik-Workshop teil

Yogyakarta bildet gemeinsam mit der Zwillingsstadt Surakarta (im Volksmund auch „Solo“ genannt) das kulturelle Zentrum der Insel Java. Neben den alten Tempelanlagen ist die Region berühmt für die Batik-Kunst. Das Stichwort Batik erinnert mich an Sommerzeltlager und weiße XXL-Shirts, die erst Bondage-mäßig verschnürt wurden, um sie dann in Färbemittel zu ertränken. Die scheußlichen Strahlen-Muster sind jedoch nicht zu vergleichen mit der traditionellen Batik-Arbeit in Indonesien. Der Begriff „Bartik“ stammt aus dem Javanischen und laut Internet kann es als „mit Wachs schreiben“ übersetzt werden. Das Kunsthandwerk verlangt äußerst Geduld und viel Übung. Während meiner Zeit in Jogja habe ich mich selbst an eine Staffelei gewagt – und ja es ist aufwendig! Mit Hilfe eines Tools (1.Stufe im Foto) soll heißes Wachs präzise auf ein Stück Stoff aufgetragen werden. Hält man das Werkzeug jedoch zu schräg, setzt man keine feinen Striche, sondern dicke Tropfen. Wenn das Wachs erkaltet oder man das Zeichentool zu schnell über den Stoff zieht, entsteht eine abgebrochene Kontur. Bewegt man das Werkzeug jedoch zu langsam, wird die Linie zu dick. Selbstredend habe ich mich all der eben aufgezählten Vergehen schuldig gemacht. Solange man sich noch bei den Konturen befindet, können Fehler glücklicherweise korrigiert werden. Beim Ausbessern hat mir schließlich die Künstlerin geholfen, die uns zum Workshop in ihr Studio eingeladen hat. Sobald die Umrisse des Motivs stehen wird der Stoff stufenweise eingefärbt. Es bewegt sich innerhalb eines Farbspektrums von hell nach dunkel. Zum Beispiel ist mein anfangs weißes Tuch erst ins Gelb (2.), dann ins Rot (3.) und abschließend ins Schwarz (4.) gewandert. „Now, no mistakes!“ meint die Künstlerin, als ich das Zeichentool wieder aufnehme. Zwischen den Färbungen werden jeweils die Motivstellen mit Wachs versiegeln, die im fertigen Bild im aktuellen Farbton erstrahlen sollen. Am besten hat man von Anfang an die komplette Komposition vor Augen. Das übersteigt jedoch meine Fähigkeiten und somit baut sich mit jedem neuen Arbeitsschritt die Spannung weiter auf. Zum Schluss wird das Wachs ausgekocht und die Farbe im kochenden Wasser fixiert. Das Endprodukt ist eine Überraschung: Es ist ein Bild und es sieht besser aus als ich erwartet habe (5.). Aufregend – und anspruchsvoll! So würde ich den Workshop zusammenfassen.

Umzug anlässlich des indonesischen Unabhängigkeitstags in Solo

Umzug anlässlich des indonesischen Unabhängigkeitstags in Solo

Will man allerdings Batik-Kleidung oder Stoffe kaufen, sollte man nach Solo fahren. Gesagt, getan. Es ist deutlich kleiner als die anderen Städte Javas, die ich bisher besucht habe. Zur Abwechslung bin ich nicht die einzige Fußgängerin, sondern auch einige Einwohner sind ohne fahrbaren Untersatz in der Stadt unterwegs. Alles ist in rot-weiß geschmückt und in den Straßen wird gefeiert. Ich komme gerade rechtszeitig zum Umzug anlässlich des Unabhängigkeitstags Indonesiens. Für mich ein wenig befremdlich ist, dass das Militär schwer bewaffnete die Parade anführt. Bei dem Umzug wird einem schnell bewusst, dass die Stadt für das traditionelle Schattenspiel mit Lederpuppen berühmt ist, denn riesige Versionen der Figuren werden durch die Straßen getragen. Neben dem örtlichen Sportverein und der Musikkapelle laufen einige Tanz- und Theatergruppe in Indonesische Tracht sowie Theaterkostümen mit. Einfach wunderschöne! Während die Show an mir vorbei zieht, probiere ich mich durch alle möglichen Köstlichkeiten. Anstelle von Crêpes und Bratwürste werden am Straßenrand gefüllte Pfannenküchlein, Reis-Kokosnuss-Eis und frittierte Nudel-Bällchen verkauft. Dazu gönne ich mir noch einen frisch gepressten Orangensaft. Unter internationalen Touristen ist die Stadt Surakatar nicht sonderlich bekannt, ich kann einen Besuch aber absolut empfehlen. Auch ohne Umzug gibt es in der Stadt viel zu entdecken. Trotz Feierei haben Wochenmarkte und Batik-Stände geöffnet. Solo ist eine absolute Reizüberflutung und somit der perfekte Abschluss zu meinen vier Wochen Indonesien.

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