Melbourne Skyline

Gemeinsam durch Melbourne.

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Australien

Zwar ist das Australien gigantisch, aber einige wenige Orte bilde die Zentren menschlicher Zivilisation. Ist man länger in diesem Land unterwegs, ist die Wahrscheinlichkeit hoch ein bekanntes Gesicht in einen der Ballungsräume wiederzutreffen. Und zu weilen ist es angenehm aus dem ewigen Backpacker-Kommunikations-Kreislauf auszubrechen. Kein: Where are you from? What do you do here? And how long are you traveling? So interessant es ist täglich neue Personen kennenzulernen, ermüdend es den eigenen Steckbrief ständig vortragen zu müsse. Nachdem ich gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin aus Adelaide die letzten sommerlichen Tage am Strand von Byron Bay genossen habe, ist mein nächster Stopp das winterliche Melbourne. Passenderweise haben bereits Hostel-Menschen aus Perth ihren Weg nach Melbourne gefunden. Zwar habe ich es genossen die letzten Monate ohne Begleitung unterwegs zu sein, aber eine Stadt, berühmt für ihre Gastro-Szene, allein zu erkunden ist blöd. Irish Pub. Ramen. Tiramisu-Kuchen. Dumping. Brownie und Kaffee. Kaffee. Kaffee. Zwei Wochen lang schlendern wir durch die Straßen, erkunden Shopping-Center, Märkte und Musen – und essen. Melbourne ist weder gut für die Figure noch für das Reise-Budget.

Melbourne Lane

Die besten Cafes und Bars verstecken sich in den kleinen Gassen.

Sunday Funday. Reise-Buddies überreden einen trotz akuter Motivationslosigkeit Dinge zu unternehmen und schlagen Programmpunkte vor, auf die man selbst nie kommen würde. Gelobt seine unsere Mitmenschen! Wäre ich heute nicht verabredet gewesen, würde ich mich höchstwahrscheinlich im Fernsehzimmer berieseln lassen. Stattdessen sitze ich jetzt giggelnd in einer Nussschale.

Auf Erkundungstour durch die Stadt.

Auf Erkundungstour durch die Stadt.

Ich möchte festhalte: Rudern ist komplizierter als man denkt. Durch das Rückwärtsrudern sieht man zum einen nicht wohin es geht. Zum anderen muss die Ruderbewegung des rechten mit dem linken Arm synchron erfolgen, ansonsten dreht man sich im Kreis. Beim erfolglosen Versuch das Boot in einer geraden Linie elegant durch das Wasser gleiten zu lassen, drängt sich mir folgende Überlegung auf: Haben die Herren des 19 Jh. Übungsstunden in Anspruch genommen, bevor sie mit ihrem Date auf den See hinausgepaddelt sind. Oder gehörte Rudern zu den Life-Skills der Upper Class? Ansonsten würde die akute Gefahr bestehen sich zum Affen zu machen – das habe ich gerade bewiesen. Es sei denn man war die Dame auf dem Ruder-Date. Es ist deutlich einfacher die Beifahrerin zu sein. Man muss nur stillsitzen und die Umgebung genießen. Es ist Sonntag. Die Sonne scheint, die Bäume sind mit Herbstblätter geschmückt und Enten folgen dem Holzbötchen durch das Wasser. Das Motiv gleicht fast einem impressionistischen Gemälde. Um das Bild abzurunden fehlt mir lediglich ein Spitzenkleid und ein Sonnenschirmchen. Und ein Herr. Denn heute sitzt mir Naomi in Schwimmweste und Winter-Klamotte beim Ruderausflug gegenüber. Ich habe sie auf einer Wein-Tour im südlichen Western Australia vor drei Monaten kennengelernt und jetzt zeigt sie mir eine andere Seite ihrer Heimatstadt. Eine, die man ohne Auto nur mit hohem Aufwand erkunden kann. Zuerst waren wir an den bunten Strandhütten (ein berühmtes Melbourne-Fotomotiv), jetzt paddeln wir auf einem See herum und später geht es in den angesagtesten Burger-Laden der Stadt. Das nenne ich mal ein aktives Tagesprogramm.

Fassade mit Spiegelung

In der Innenstadt gibt viel zu entdecken: historische Gebäude drängen sich an Wolkenkratzer.

Burger im Zugabteil auf dem Dach im fünften Stock – war ich, wie gesagt, am Sonntag. Auch den Sonnenuntergang habe ich bereits von der Dachterrasse im „Naked and Satan“ bewundert. Und an der Tür der Berlin Bar habe ich ebenfalls geklingelt, um einen „Mutti Merkel“-Cocktail zu schlürfen. Emily attestiert mir Mitte meiner zweiten Woche in der Stadt, dass ich Melbourne erfolgreich erkundet habe. Ausgezeichnet mit Sternchen. Emily ist eine Vielreisenden auf Heimatbesuch. Vor zwei Jahren sind wir auf Snowboards die Dünen der chilenischen Atacama Wüste heruntergebrettert, heute sitzen wir Weinschlürfend in Melbourne. Verrückt wie klein die Welt ist. Bei winterlichen Temperaturen (irgendwas unter 10°) stehen wir auf dem Hof des ersten, permanenten Food Truck Festival Melbourne‘s. Das Konzept gefällt mir. Im Sommer nehmen an die zehn Wägen teil – heute sind es leider nur zwei. Ich entscheide mich für indisch. Sehr hervorragend! Mit der Bar „Welcome to Thornbury“ wollte man mich in ein Melbourne-Gastro-Highlight ausführen, aber um ehrlich zu sein, egal was ich in Melbourne probiert habe – und ich habe viel probiert – es war niemals schlecht. Die Stadt macht ihrem Ruf alle Ehre.

Egal ob beim Chinesen, im Café oder auf dem Markt das Essen ist hervorragend in Melbourne..

Egal ob beim Chinesen, im Café oder auf dem Markt das Essen ist hervorragend in Melbourne..

Meine Melbourne-Tage sind gezählt und zwei Wochen Schlemmen verdienen einen würdigen Abschluss. Auf nach Chinatown. „Bankett for four People“ 43$ – was für ein Schnäppchen! Wir sind zu dritt: Isi und Alex aus dem Perth-Hostel und ich. Sollen wir noch Dumpings dazu nehmen? Der Kellner beteuert, dass das Menü ausreichend sei. Stimmt. Eine Fischsuppe und Fleischplatte später bin ich eigentlich satt. Aber nein, wir sind noch lange nicht durch, denn das war erst die Vorspeise. Kellner huschen um uns herum. Wassergläser werden aufgefüllt. Es folgen Calamari-Ringe, Riesengarnelen und Braten. Dazu wird Gemüse und gebratener Reis gereicht. In unserer Naivität haben wir in dem schicken China-Restaurant ein Festmahl bestellt. Am Ende sind es auch 43$ pro Person, was deutlich mehr Sinn ergibt. Als Backpacker besitzen wir weder das großes Geld, noch angemessene Klamotte und offensichtlich nicht die besten Tischmanieren. Bewaffnet mit Stäbchen arbeiten wir uns von einem Topf zum nächsten. Kreuz und Quer. Immer wieder brechen wir ob unserer Situation in Gelächter aus. Der Tisch ist mittlerweile übersäht mit Soßenflecken und wir schlemmen bis uns die Bäuche platzen. Völlerei! Nichts verschwenden, denn dafür ist es zu teuer. Unsere Runde muss ein merkwürdiges Bild abgeben. Der Abend endete in der absoluten Maßlosigkeit und doch: ich bereue nichts!

Skyline bei Nacht am Fluss

Gute Nacht Melbourne.

Geflüster. Das Licht einer Handytaschenlampe schwenkt durch den dunkelnden Raum. Es ist nicht mal sechs Uhr morgens. Das ist länger nicht mehr vorgekommen. In Melbourne ist tatsächlich Winter und somit absolute Nebensaison. Jeder der kann flieht in den tropischen Norden. Zurzeit sind nur wenige Reisende mit Tagestouren in der Stadt, sondern eher arbeitende Backpacker, die zu humanen Uhrzeiten ihren Tag beginnen. Geraschel und mehr Geflüster. Wieder landet das Handy-Licht direkt in meinem Gesicht. Auch egal, denn ich bin bereits wach – und aufgeregt. Heute landet meine Schwester und ihr Partner in Melbourne. Endlich geht es weiter. Fürs Wochenende ist ein gemeinsamer Roadtrip entlang der Great Ocean Road geplant und dann flüchte auch ich in den warmen Norden.

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