Futaleufu

Grenzend hüpfend Richtung Süden

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Argentinien, Chile

Ich sitze auf der Couch und balanciere meinen Laptop auf dem Schoß. Das Hostel ist ein großes lichtdurchflutetes Holzhaus mit offenen Treppenhaus und ganzen Baumstämmen als Balken. Aus dem Fenster habe ich einen wunderschönen Blick auf die Berggipfel der Anden. Ein Fluss schlängelt sich durch dichte Wälder. In der Küche hinter mir steht ein Franzose und bereitet stereotypisch Crêpes für alle Bewohner zu. Mir wird einer mit Banane und Schokolade serviert – absolut lecker. Draußen vor der Tür klimpert jemand auf einer Ukulele. Ansonsten ist es so ruhig, dass ich von meinem Fensterplatz aus die Kühe kauen hören kann. Idyllisch.

Futaleufu_Landschaft

Wir sind in Futaleufu, ein kleines Dorf direkt an der chilenisch-argentinischen Grenze. Bekannt ist er für seinen strömenden Fluss. An jeder Ecke wird Wildwasser-Rafting und Kajaking angeboten – wir schlage hier nach einschlägiger Erfahrung in der Jugend einen weiten Bogen und gehe lieber im Fluss schwimmen. Mit dem eiskalten Wasser kostet das schon genügend Überwindung. Einmal drin, ist es dank der brennenden Sonne allerdings sehr angenehm.

Zwischenstopp in Argentinien

Von Puerto Varas sind wir nicht direkt auf der Hauptstraße Carretera Austral Richtung Süden in den kleinen chilenischen Grenzort Futaleufu gefahren, sondern es ging über die Grenzen nach San Carlos de Bariloche, der Schicki-Micki-Urlaubs-Schwimm/Ski-Ort Patagoniens. Architektonisch betrachtet, ging es vom Schwarzwald in die Schweiz, von Holzschindeln zur Blockhütte. Die holländische Königin hängt hier regelmäßig ab – weil, wie wir mittlerweile raus gefunden haben, sie Halb-Argentinierin oder so ist.

Bariloche-Ausblick

Bariloche liegt zwischen Berggipfel an einem gigantischen See und wir hatten zur Abwechselung einen vollen Tag die Gegend zu erkunden. Es wurde uns empfohlen, mit dem Bus aus der Stadt zu fahren, um die Landschaft mit dem Fahrrad zu erkunden – gesagt, getan. Erste Stopp war jedoch eine Aussichtspunkt. Statt den Sessellift zu nutzen, sind wir bei brühender Hitze den Hügel hinauf gekraxelt – es ging nach kürzester Zeit komplett verdreckt mitten durchs Gebüsch und nach unten bin ich dann eher gefallen, als gelaufen. Der Boden bestand nur aus Staub und Geröll. Nicht beklagen, weiter laufen. Oben angekommen wurde man jedoch mit eine 360 Grad Ausblick belohnt.

Bariloche

Vom Hügel 100 m die Straße runter haben bereits die Fahrrad-Menschen auf uns gewartet, und zwar mit zwei leichten Mountainbikes samt Bremsen und Gangschaltung! Es geht bergauf und bergab – 27 km entlang klarer, türkisblau Seen und durch grüne Wälder. Kimmi ist fleißig vornweg gepaddelt, während ich meist schiebend und schnaufend die Hügel hoch und permanent abbremsend wieder runter gefahren bin. Ich bin selbst immer noch überrascht, wie viel Spaß es mir gemacht hat, nichtsdestotrotz wird Mountainbiken nicht meine neue Leidenschaft. Ich bin kein Freund von Schotter und unbefestigten Straßen. Ich habe es bereits bei unserer kleinen Radtour geschafft, mich auf der asphaltierten Straße auf die Nase zu legen. Es muss dramatischer ausgesehen haben, als es war, denn anschließend musste ich sechs aufgeschreckten Autofahrern erklären, dass alles gut sei – Esta bien, esta bien!

Eine schicksalhafte Begegnung

Puyuhuapi_Mitfahrer

Morgen, Übermorgen und Über-Übermorgen geht es immer weiter von einem kleinen Ort in den nächsten. Wir erkunden Chiles Nord-Patagonien bis das Eisfeld beginnt und die Carretera Austral endet. Für befahrbare Straßen, die uns weiter Richtung Süden führen, müssen wir dann wieder über die Grenze nach Argentinien. Den kleinen Roadtrip haben wir einem langjährigen Tauchfreund meines Vaters zu verdanken, der zufällig zur selben Zeit wie wir mit einem Freund dieses Fleckchen Erde erkundet, allerdings im Mietwagen. Die Tour hätten wir so niemals geschafft – Patagonien ist für uns einfach zu groß, zu teuer und zu provinziell (hier ticken die Uhren langsamer), um das alles mal schnell mit dem Bus schaffen zu können. Unsere Mitfahrgelegenheit hat uns bereits in Puerto Varas samt unserer sieben Sachen eingepackt – unser Gepäck schwillt trotz Schwund und neuen Packkünsten gefühlt täglich weiter an. Wir passen nur noch schwer durch einen standardisierten Hauseingang und im Auto muss mein Backpack als dritter Mitfahrer zwischen uns auf der Rückbank sitzen. Nach den endlosen Busfahrten mal wieder mit einem Auto – Abholservice, Pinkelpausen und Fotostopps inklusive – durch das Land zu reisen, ist Luxus pur. Jeder Backpacker neidet und jeder Tramper hasst uns. Die Natur Patagoniens bietet auf der Strecke mehr als einen Moment zum Anhalten und Staunen.

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