Blick auf die Felder der Teeplantage in den Cameron Highlands

In den Cameron Highlands wandeln

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Malaysia

Das Wort „Tee“ fungiert im deutschen Sprachgebrauch als ein Überbegriff für alle Arten an Aufgüssen. Im Englischen, ja selbst im Indische ist das anders. Sowohl „Tea“ als auch „Chai“, sind Synonyme für Schwarztee. Punkt. Anscheinend ist es nicht notwendig, das Getränk mithilfe des Adjektivs „black“ weiter zu spezifizieren. Seit einem halben Jahr reise ich durch Teile des ehemaligen Commonwealth und ich kann attestieren, dass sich hinter der Phrase „free coffee & tea“ Instantkaffee und Schwarztee verbirgt. Enttäuschend, denn ich bin kein Schwarztee-Fan (über Instant-Mist wollen wir erst gar nicht sprechen). Möchte man Australier in tiefe Verwirrung stürzen, sollte man sich nach der Teesorte erkundige. Noch amüsanter wird es beim Thema Tee jedoch mit Briten. Ob Zucker und bzw. oder Milch und in welcher Reihenfolge habe ich bis heute nicht verstanden. „A cup of tea fixes everything“ (dt.= Tee bringt alles wieder in Ordnung) erklärt mir ein Engländer im Brustton der Überzeugung. Ein anderer schleppt trotz kleinem Gepäck eine riesige – nach einem Monat noch volle – Teeschachtel durchs Land, obwohl jedes Hostel in Australien Schwarztee anbietet. Auf Nachfrage, warum man gleich 50 Beutel kaufen musste, wenn man nur eine Tasse trinken wollte, bekam ich folgende Antwort: „That was the smallest pack!“ (dt.= das war die kleinste Schachtel). Als würde der Supermarkt nur eine Marke verkaufen, doch offensichtlich erfüllt nur genau dieser Schwarztee das Bedürfnis nach einer guten Tasse Tee. Muss man nicht verstehen!

Ich habe in den Cameron Highlands eine Teeplantage besichtig

In den Cameron Highlands habe ich eine Teeplantage besichtig

Erst jetzt Ende August beim Besuch auf einer Teeplantage in Malaysia verstehe ich, warum „Tea“ ausschließlich Schwarztee benennet. Ich nehme an, dass geschichtlich betrachtet Deutschland zu wenige Berührungspunkte mit der Teeproduktion hatte, als dass sich ein umfangreiches Fachwissen oder eine vergleichbare Leidenschaft für das Thema etablieren konnte. Beim Besuch auf der Plantage lerne ich, dass es nur möglich ist, aus der Pflanze schwarzen oder grünen Tee zu produzieren – alles andere ist einfach kein Tee, sondern nur heiße Aufgüsse. Irgendwie leuchtet das ein, wenn von Teepflanze umgeben mitten auf einem Feld steht. Ich bin in den Cameron Highlands und nehme an einer Tour teil, um mehr über die Gegend zu erfahren. Der Guide erklärt, dass zur Teeproduktion nur die jungen, knallgrünen Blätter genutzt werden können. Heute laufen Arbeiter mit einer zwölf Kilogramm schweren Schneidemaschinen durch die Felder. In Malaysien sei im Gegensatz zu anderen Teeregionen ganzjährig Saison, sodass die Büsche alle 28 Tage getrimmt werden können. Sind die Arbeitet am Ende des Feldes angekommen, kehren sie zum Anfang zurück. Echte Sisyphusarbeit! Die beschnittenen Büsche erstrahlen in einem satten Grün und formen ein Schachbrett-Muster, dass sich über die steilsten Abhänge bis zum Horizont erstreckt. Die von Menschenhand geformte Landschaft zieht mich so gleich in ihren Bann. Die Felder gehören bis heute einer schottischen Familie, doch der produzierte Tee wird nicht exportiert, sondern zu 90% innerhalb Malaysiens verkauft. Es ist die beliebteste Tee-Marke des Landes.

Die Cameron Highlands sind bis heute ein beliebtes Wochenendziel für Städter, denn in den Bergen ist es einige Grad kühler als in Kuala Lumpur. Im Anschluss zur Teeplantage ist es möglich noch eine Gemüse-Farm zu besuchen und Erdbeeren zu pflücken. Ich entscheide mich lieber fürs Wandern. Erdbeere pflücken ist eventuell aufregend für Großstädter aus dem asiatischen Raum – ich hingegen stamme aus einer Kleinstadt, die von Erdbeerfeldern umgeben ist. Bereits als Kind bin ich losgezogen, um genügend Beeren für die hausgemachte Erdbeer-Marmelade zu sammeln.

Vom Aussichtsturm kann die Cameron Highlands bei gutem Wetter bewundern

Vom Aussichtsturm kann die Cameron Highlands bei gutem Wetter bewundern

Nach der Plantage geht es erstmal zur Spitze des höchsten Berges in den Cameron Highlands. Bevor der Guide erklären kann, dass wir die 2000 Höhenmeter überschritten haben, kann ich es spüren, denn leichte Kopfschmerzen und Übelkeit haben sich eingestellt. Wie ich für mehrere Wochen vor zwei Jahren in den Anden überleben konnte ist mir heute ein Rätsel. Soweit ich mich jedoch korrekt erinnere, hat sich mein Körper nie ganz an die Höhemeter gewöhnt. Heute sind wir glücklicherweise nur kurz hier oben, um die Aussicht zu genießen. Neben dem Tee sind die Highlands berühmt für den Urwald und die Plantagen nehmen tatsächlich nur einen kleinen Teil der Landschaft ein. Aktuell befinde wir uns im so genannten „Mossy Forest“. Ich habe angenommen, dass der Name einer Mückenplage entspringt und zur Abwechslung habe ich gut vorbereitet das Anti-Moskito-Spray eingepackt. Tja! Es stellt sich heraus, dass „Mossy“ nicht für Moskitos, sondern für das viele Moos steht. Es bedeckt alles: Baumstämmen, Steinen und Waldboden. Bei schlechterem Wetter sammelt sich die Feuchtigkeit im Wald und es entsteht Nebel zwischen den Bäumen. Heute strahlt jedoch die Sonne, sprich ich kann nicht durch eine mystische Landschaft wandern. Man kann nicht alles haben.

Das Moos kreiert im Urwald eine eigene Welt: ruhig & mystisch

Das Moos kreiert im Urwald eine eigen Welt: verborgen, ruhig & mystisch

Ein Großteil des Mossy Forest ist heute für die Öffentlichkeit gesperrt, um das Ökosystem nicht weiter zu belasten. Die Tourgesellschaft ist jedoch als Eco-Unternehmen lizenziert und darf seine Gäste durch eine andere, wenig besuchte Ecke des Waldes führen. Für zwei Stunden geht es mitten durchs Gebüsch. Berg rauf und wieder runter. Selbstverständlich kann man in den Cameron Highlands auch ohne Guide wandern, jedoch setzt mein Orientierungssinn in der Natur erfahrungsgemäß aus. Verloren im malaysischen Urwald – darauf verzichte ich gern! Und während wir uns durch das Gestrüpp schlagen, bin ich um die Wandergruppe äußerst froh. Oftmals kann ich den Weg kaum erkennen, dem wir folgen, denn der Trampelpfad ist unbefestigt und matschig. Ich stolpere mehr als das ich laufen. Zwischendurch werden Fotostopps eingelegt und der Guide erklärt mehr zur Fauna. Ich lerne, dass man aus dem Moos Trinkwasser gewinnen und das Gewächs als Decke verwenden kann, falls man sich im Wald verlaufen hat. Am merkwürdigsten empfinde ich aber den Waldboden. Er federnd! Durch die hohe Feuchtigkeit wird das tote Geäst schneller zersetzt, sodass die Gruppe quasi auf einem riesigen Komposthaufen umherwandert. Je tiefer wir in den Wald vordringen desto mehr Moos umfängt die Landschaft. Es ist ganz still, denn die Pflanzen dämpfen die Geräusche der Zivilisation. Über eine Begegnung mit ein paar Feenwesen wäre ich an diesem Ort nicht überrascht. Es ist einfach mystisch – auch ohne Nebel!

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