Arequipa-Plaza

In the suburbs of Arequipa

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Peru

Es ist sieben Uhr morgens und Zeit für Frühstück, da unsere Gastgeberin anschließend zur Arbeit muss und wir so noch einen Moment des Austauschs haben. Wieder erwartet uns ein frisch gepresster Saft und die leckeren Fladen-Brötchen, die typisch für Arequipa sind. Fröhlich erklärt die Tante mit einer Inbrunst von Überzeugung, dass das Brot auf Grund des Mangels an fluffigen Weißbrot in der Mitte nicht dick mache, während sie fünf von den Fladen verspeist.

Unsere wunderbare Gastgeberin

Unsere wunderbare Gastgeberin

Wir sind mal wieder bei einer Familie untergekommen, die irgendwie mal wieder mit Kimmis Familie in Verbindung steht. Umso länger wir unterwegs sind, desto mehr Ecken kommen jedoch zu dem Bekanntschaftsverhältnis hinzu. In diesem Fall war es ein peruanischer Couchsurfer, der zwei Wochen zuvor bei Kimmi’s Schwester übernachtet hat. Als er hörte, dass wir gerade in Peru unterwegs sind und uns auf den Weg nach Arequipa machen, hat er uns eingeladen, bei seiner Mutter zu wohnen.

Von Cusco ging es über Nacht mit dem Bus durch die Anden. Die Landschaft hier ist nicht zu vergleichen mit den satten Wiesen und dichten Wäldern in den Anden Ecuadors. Arequipa liegt mitten in einer beeindruckenden, kargen Wüstenlandschaft und schmiegt sich an schneebedeckte Berge. Es regnet hier nur einmal im Jahr in den Regenmonaten Dezember und Januar. Die Stadt ist berühmt für seine Gebäude aus weißem Vulkanstein und das gute Essen. Das Haus unsere Gastgeberin lag etwas außerhalb und so sind wir täglich mit dem Minivan 40 Minuten in die Innenstadt gefahren. Mittlerweile sind wir lang genug in Südamerika unterwegs, um uns nicht von chaotischen Gegebenheiten verwirren zu lassen. In ein Colectivo passen zehn bis gefühlt hundert Menschen und im Zweifel balanciert man mal eine fremde Klopapierpackung auf den Knien oder hält die Tasche einer anderen Frau. Unsere Gastgeberin war schwer beeindruckt, dass wir gleich am ersten Tag hin und vor allem auch wieder zurück gefunden haben.

Arequipa Berg

Arequipa schmiegt sich an schneebedeckten Berge

Während unserer Planung – die zugegebenermaßen insgesamt etwas dürftig aus viel bzw. absichtlich klein gehalten wurde – haben wir immer wieder hin und her diskutiert, ob wir von Cusco aus einen Schlenker in den Süden Perus machen, bevor wir die bolivianischen Grenze überschreiten. Die Diskussion hat sich ziemlich schnell von selbst geklärt, als ich festgestellte habe, dass ich meinen Führerschein bei meinen Eltern vergessen habe. Auf mir verschlungene Pfade hat sich der Ausweis auf den Weg nach Arequipa gemacht. Alles was ich weiß ist, das meine Nachbarin jemanden kennt, der kennt, der ein Kinderheim in der zweitgrößten Stadt Perus leitet und zum gegebenen Zeitpunkt in Deutschland verweilte. Der Führerschein, abgesehen von der Tatsache, dass ich Autofahren darf, ist neben dem Pass – das Wichtigste, was man auf Reisen besitzt und daher lieber nicht mit sich rumträgt – ein hilfreiches Ausweisdokument und so bin ich dankbar ihn wieder in den Händen halten zu dürfen. Ein wunderbarer Nebeneffekt meiner Vergesslichkeit war allerdings die Einladung, das besagte soziale Projekt BLANSAL Casa Verde näher kennenzulernen. Vor 18 Jahren hat alles mit Straßensozialarbeit begonnen und mittlerweile hat die Nicht-Regierungs-Organistation zehn Projekte in Arequipa und Cusco aufgebaut. Wir haben am Donnerstagsnachmittag die beiden Kinderheime in Arequipa besucht. Wir wurden im Mädchenhaus nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit jeweils rechts und links ein Kind an der Hand wild schnatternd durchs Haus geführt. Mit meinen beschränkten Spanischkenntnissen bin ich ziemlich schnell an meine Grenzen gestoßen, aber das größere Interesse galt eh meinem Fotoapparat. Im Anschluss ging es drei Straßen weiter zum Jungenhaus. Gemeinsame Tanzstunden standen auf dem Programm, da in der folgenden Woche eine Tanzveranstaltung mit allen Kinderheimen Arequipas bevorstand. Ich bin immer noch schwer beeindruckt, dass die Kleinen sich die komplizierten Schritte des traditionellen Tanzes merken konnten.

Die weiße Stadt

Die weiße Stadt

Irgendwie haben wir alles richtig und vieles falsch gemacht. Nach drei aufregenden Tagen in der weißen Stadt sind wir glücklich, aber auch total erschöpft und freuen uns als nächstes in die Natur zu fahren. Wahrscheinlich wäre es schlau gewesen, nach Cusco erst mal eine Pause einzulegen und seine Kräfte zu regenerieren. In der Stadt wanderten wir einfach nur von Innenhof zu Innenhof und flüchteten vor den Massen. Uns wurde erklärt, dass Arequipa noch vor zehn Jahren einem verträumten Städtchen glich, aber die vielen Minen im Umkreis haben die Menschen mit Arbeit angelockt. Es tummeln sich so viele Menschen auf den Straßen, das wir insgesamt ein wenig überfordert waren. Den besonderen Einblick, der uns gewährt wurde, mit den vielen neuen Eindrücken musste dringend verarbeitet werden – am Samstag ging es weiter ins Colca Tal.

Wir wollen uns nochmal für die Gastfreundschaft, das Interesse und die Herzlichkeit bedanken, die uns in Arequipa entgegen gebracht wurde.

 

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