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Machu Picchu – atemraubend, wie atemberaubend!

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Peru

Am Donnerstag, 29.10.2015 waren wir auf dem Machu Picchu und eigentlich fällt es mir immer noch schwer das Erlebte in Worte zu fassen. Sobald man anfängt sich mit Südamerika auseinander zu setzten und eine Reise zu planen, ist man konstant mit Bildern des Weltkulturerbes konfrontiert. Ich glaube, es wird ein wenig dauern bis ich wirklich kapiert habe, dass es nicht nur weiter Fotografien sind, sondern ich tatsächlich da war. Machu Picchu stand von Anfang an als Sonderposten auf unserer Liste. Wie der Trip sich am besten gestalten sollte, war bis eine Woche vorher nicht klar. Im Endeffekt haben wir uns gegen eine geführte Tour entschieden und schnell alles über das Internet organisiert. Ich feiere den Beschluss immer noch, da ich persönlich nichts mehr hasse, als gesagt zu bekommen, wohin ich laufen und was ich fotografieren soll. Schon aus Prinzip will ich dann das genaue Gegenteil machen. Der ausschlaggebende Punkt war jedoch, dass wir nicht bereit waren extra Geld für einen mittelmäßigen Guide auszugeben. Ich sah schon die Geschichtslehrerin aus Kimmi ausbrechen, die nach stichfesten Quellen und gesicherten Fakten verlangen würde.

Aguas Calientes, das Dorf beim Machu Picchu

Aguas Calientes, das Dorf beim Machu Picchu

Wir sind bereits letzten Dienstag früh nach Cusco geflogen und haben uns die 22 stündige Busfahrt durch die Anden gespart. Der schnelle Aufstiegt von null auf fast 3500m über dem Meeresspiegel in Kombination mit sechs Uhr morgens aufstehen, war schwierig. Hunger, Durst, Müde, Kalt – die besten Voraussetzungen für Soroche (Höhenkrankheit). Am nächsten Morgen ging es um 07:42 mit dem Zug direkt weiter nach Agua Calientes, das Dorf am Fuße des Berges. Aguas Calientes ist ein künstliches, überteuertes Touristendorf, aber auch irgendwie süß. Es liegt Gott sei Dank niedriger als Cusco und nicht jede Bewegung fühlt sich hier wie ein Marathonlauf an. Reden, essen und atmen funktioniert wieder gleichzeitig. Zurück nach Cusco sind wir erst am Freitagmorgen, 30.10. gefahren, so dass wir den gesamten Donnerstag für den Machu Picchu hatten. Den vollen Tag haben wir zwar nicht gebraucht, waren jedoch froh nach dem Erlebten, die Zeit zum Durchatmen zu haben.

Rise and shine – der Berg ruft

Für den Machu Picchu sind wir früh aufgestanden. Es ist 04:53 und das übliche Gefühl von Morgenträgheit fehlt – I’m going on an advanture! Die Aussicht auf weniger Menschenmassen motiviert extra. Leider waren wir nicht die einzigen mit der Idee. Als wir bei der Bushaltestelle angekommen sind, hatte sich bereits eine riesenlange Schlange gebildet. Ich bin eher von der ungeduldigen Sorte. Aus dem Hass warten zu müssen, mache ich den Vorschlag hoch zu laufen. Kimmi lehnt Gott sei Dank lachend ab, denn als wir eine halbe Stunde später endlich mit dem Bus losgefahren sind, ging es die gesamte Stecke steil den Berg hoch. Nach dem offiziellen Eingang zum Machu Picchu hat sich der Menschenauflauf schnell in den Weiten des Geländes verloren.

Die Schlange am Bus-Shuttel zum Machu Picchu

Die Schlange am Bus-Shuttel zum Machu Picchu

Bevor wir die Ruinenstadt betreten haben, sind wir direkt nach dem Einlassen links die Treppen hoch geschnauft zur „Hut of the caretaker of the funery rock“ – eine der wenigen Gebäude, die restauriert wurden. Die Aussicht ist atemberaubend! Ich könnte den ganzen Tag hier sitzen. Es ist nicht ausschließlich die Inkastätte die dem Ort die Magie verleiht, sondern erst im Zusammenspiel mit der Natur entfaltet sie ihre Wirkung. Die Anden-Landschaft ist wunderschön. Mit dem strahlend blauen Himmel haben wir unsagbares Glück. Nur ein wenig Dunst steigt aus den Bergen auf, die die Mystik des Ortes nur unterstreicht. Vielen Fotos später und nach einem kleinen Picknick machten wir uns auf den Weg runter zur Stadt. Den eigenen Guide haben wir nicht vermisst, da so viele hier rumlaufen, dass man sich ohne aufzufallen einfach immer irgendwo dazustellen kann.

Die Anden-Landschaft

Die Anden-Landschaft

Die Ruinenstadt

Die Ruinenstadt

Es ist erst 08:30 Uhr morgens und wir haben alles erkundet – verrückt! Wir verlassen erstmals das Gelände, um die Toilette aufzusuchen und uns zu überlegen, was wir als nächstes tun. Am Eingang erhalten wir jetzt auch ein Stempel als Andenken in unseren Pass. Es fängt an sich wirklich zu füllen. Große Reisegruppen schlängelten sich durch die Ruinen. Viele Touristen machen nur Eintagestrips von Cusco aus und trudeln mit dem ersten Zug hier ein. Kaum zu glauben, dass pro Tag bis zu 2500 Menschen in der Stätte erlaubt sind. Ein Guide erklärte, dass man in der Hochsession anstehen muss, um einen Blick auf die Highlights werfen zu können. Bei unserem Besuch waren deutlich weniger Menschen am Machu Picchu, denn es ist offiziell Regenzeit und damit Nebensession. Das Wetter in den Anden ist unberechenbar und wechselhaft. Nebel und Regen sind typisch für die Jahreszeit. Sobald jedoch die Sonne scheint, knallt sie – auch auf Grund der Höhe – mit voller Kraft vom Himmel. Ich wünschte, nur einmal wäre ich richtig angezogen. Aus der Panik heraus zu frieren, haben wir vier Lagen getragen und im Rucksack noch Strumpfhose, Mütze und Handschuhe verstaut. Ich will mich aber nicht beschweren! Wir haben das Wetter genutzt und uns auf den Weg zum „Tempel del Sol“ gemacht, ein Ort außerhalb der Inkastätte. Der Weg war steil, die Luft schwül und das Wasser wurde knapp. Leute, die uns entgegen kamen, versicherten es wäre nicht mehr weit. 45 lange Minuten später saßen wir auf einer Steinmauer und blickten tief ins Tal. Alle körperlichen Leiden waren vergessen.

Der Ausblick ins Tal

Der Ausblick ins Tal

Wieder unten am Eingang beschließen wir, es sei genug. Eine überteuerte kleine Flasche Wasser später machen wir uns zu Fuß auf den Abstieg ins Tal, da sich die endlose Schlange wieder am Bus formiert hat. Ich bin doppelt froh den Weg nur runter und nicht rauf zu gehen, denn hohe Treppenstufe schlängeln sich den Berg runter. Meine Beine haben angefangen zu zittern, der Kopf war rot und ich musste langsam machen – ich war am Ende meiner Kräfte angekommen, während Kimmi vor mir herhüpft. Es ist fast zwei Uhr mittags als wir wieder am Hostel sind. Duschen, Essen, Schlafen. Die Anstrengung und selbst der kleine Hitzeschlag haben sich mehr als gelohnt.

1 Kommentar

  1. Hitzschlag ????? Besorgter Papa – aber wenn es der einzige Schlag ist ,der euch auf dem Trip trifft , soll‘ s mir recht sein . Tip noch dazu : Aspirin , viel trinken und Ruhe .
    Bon voyage

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