Uluru zum Sonnenaufgan

Die Mitte ist rot.

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Australien

Es ist zu früh, viel zu früh. Aktuell findet mich meine kleine Reisegruppe merkwürdige – und ich sie. Es sind 21 Teilnehmer in den 20‘igern und alle unterhalten sich lebhaft. Worauf habe ich mir nur eingelassen. Es ist acht Uhr morgens, mehr oder weniger wach bin ich aber bereits seit fünf. Die kommenden drei Tage nehme ich an einer Outback-Tour teil, inklusive Zelten, langen Busfahren und Gruppenaktivitäten. Als ich nach Australien gekommen bin, stand lediglich das Red Centre als Reiseziel auf meiner Wunschliste, ansonsten hatte ich keine Idee vom Land. Ich möchte Uluru zum Sonnenaufgang sehen, den Sternhimmel in seiner vollen Pracht bewundern und durch die Wüste wandern. Dafür bin ich hier – und habe beschlossen das Beste aus der Tour zu machen.

Rote Erde des Outbacks

Die rote Erde des Outbacks formt beeindruckende Naturschauspiele.

Grünes Buschwerk, rote Erde, blauer Himmel. Die Landschaft des australischen Outbacks rauscht am Fenster vorbei, während wir mit unserem Kleinbus über die Landstraßen brettern. Unser Ziel ist Uluru oder auch bekannt unter dem Namen Ayes Rock.  Aus dem Lautsprecher schallt:”…It belongs to them / Lets give it back – How can we dance when our earth is turning / How do we sleep when our beds are burning…”. Erklärend erhebt sich die Stimme unseres Tourguides über die Musik. Viele wüssten nicht, dass es sich bei dem 80er-Jahre Hit „Beds are burning“ um einen Protest-Song handelt, der sich für die Land-Rückgabe eingesetzte. Unser erster, heutiger Stopp war das Cultural Centre, dass Besucher die Geschichte und die Spiritualität der Gegend anschaulich näherbringt. Erst 1985 wurden die heiligen Ort Uluru und Kata Tjuta an den lokalen Aborigine-Stamm Anangu zurückgeben und ab 2019 wird der Weg nach oben für Touristen endgültig versperrt sein.

Am Fuße von Uluru

In den Wintermonaten ist es möglich Uluru zu umwandern

Nachdem ich Uluru selbst umwandert habe, verspüre ich kein Bedürfnis ihn zu besteigen: A) der Stein in seiner Massivität verströmt eine besondere Magie B) ich respektiere anderer Leute Glauben zu sehr, um gegen einen ausdrücklichen Wunsch zu verstoßen, und C) der Aufstieg sieht verdammt unbefestigt aus. Auf allen Vieren sehe ich Menschen auf dem Berg herumrutschen. Eine helle Spur mit einem Seil markiert den Weg nach oben. Über die Jahre haben die Touristenmassen an der Stelle des Aufstiegs den Rost abgerieben, der für die Färbung des Steins verantwortlich ist.  Heute ist der Weg als „Scar of Uluru“ (= die Narbe des Ulurus) bekannt.

Das letzte Tageslicht erleuchtet Uluru

Das letzte Tageslicht erleuchtet Uluru

Emotional hatte ich mich zwar auf‘s Campen vorbereitet – aber nicht auf Swags! Die Dinger sind eine australische Erfindung, auf die man äußerst Stolz ist. Die Exemplare mit denen ich mich konfrontiert sehe, sind aus schwerem Sackleinen und sehen aus wie Leichensäcke. Die Swags werden einfach ausgerollt, eine Schaumstoff-Matratze bildet die Swag-Unterseite und den Schlafsack (der für 5° Außentemperatur definitiv zu dünn ist) stopft man einfach hinein. Im Gegensatz zum Zelt liegt der Kopf im Freien und man kann die halbe oder, wie ich unfreiwillig, die ganze Nacht die Milchstraße bewundern. Leider fiert einem währenddessen das Gesicht ab. Ich danke dem Himmel für meine Wollmütze, denn es ist kalt – eiskalt!

Abends herrscht Lagerfeuerstimmung

Wir „genießen“ das Swag-Life für zwei Nächte

Schlotternd liege ich hier und starre in den Himmel. 23Uhr… 3Uhr… 4Uhr – ich bin wach. Meine Nachbarin hat offensichtlich nicht die gleichen Schlafprobleme. Total vergraben in ihrem Swag wirkt sie fast wie tot – in dem Sack könnte man sie direkt abtransportieren. Erst ringt einer, dann der zweite Wecker. Bald erschallt ein ganzes Konzert. Die restlichen Schlafmützen werden schnell noch wach gerüttelt, denn bevor nicht alles zusammengeräumt ist, bekomme ich keinen Kaffee. Geplant ist das Frühstück gemütlich zum Sonnenaufgang am Uluru zu genießen. Endlich: es ist 6:30 Uhr und wir sind bereit. Im Gegensatz zum Sonnenuntergang sind wir heute Morgen die einzigen am Aussichtspunkt. Eingewickelt in meinem Schlafsack beobachte ich das Schauspiel. Langsam erstrahlt der Stein wieder in seinem bekannten Rostrot. Magisch!

Katja National Park Outback

Die Aussicht ins Tal am Katja Tjuta

Am Kata Tjuta weist der Pfeil nach rechts, wir folgen dem Rundweg jedoch linksherum – unser Tourguide besteht darauf. Auf halber Strecke wird mir klar warum. Es ist definitiv leichter und wahrscheinlich auch sicherer den Schotterweg hochzulaufen, als den Track runter zu schlittern. Ein Minuspunkt unserer Gangrichtung ist jedoch, dass einem der Blick ins Tal verborgen bleibt bis man die Hügelspitze erreicht hat. Oben angekommenen genießen wir entspannt die beeindruckende Aussicht. Unser Tourguide verteilt Snacks bevor wir die zweite Hälfte zurücklegen. Am Bus gibt es dann noch Kuchenstücke und Orangen. Verhungern werde ich in den drei Tagen definitiv nicht.

Kings Canyon

Die Schlucht des Kings Canyon

Der letzte Stopp unsere Outback-Rundreise ist Kings Canyon. Wieder heißt es früh aufstehen. Schnell legen wir die letzten Kilometer zwischen Zeltplatz und der Schlucht zurück. Die Outback-Sonne erreicht im Sommer unmenschliche Temperaturen, sodass laut Tour-Plan Wanderungen nur morgens stattfinden. Am Kings Canyon ist es Pflicht pro angesetzter Stunde einen Liter Trinkwasser mitzubringen. Warum das auch im Winter gilt – keine Ahnung! Drei Stunden ging es rauf und runter. Ohne Toilette im Wandergebiet und bei angenehmen 20° habe ich nicht einmal einen halben Liter vernichtet. Und da war ich nicht die einzige. Ich bin zur Überzeugung gelangt, dass das Wasser als Zusatzgewicht nur sicherstellen sollte, dass wir auf dem langen Rückweg ruhiggestellt sind. Nach zwei Tagen Zelten, Frühaufstehen und Wandern hängen wir auf unseren Sitzen. Wie Wackeldackel hüpfen die Köpfe auf und nieder, während wir wieder über die Landstraße zurück nach Alice Spring rasen. Ich bin fertig, aber glücklich!

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