Ijen Sonnenaufgang

Von einem Sonnenaufgang zum nächsten: zwei Vulkane Bromo & Ijen

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Indonesien

Sonntag / 03:00 Uhr Vor nicht einmal zwölf Stunden bin ich in Surabaya gelandet, die zweitgrößte Stadt im Osten der Insel Java und 120km entfernt von Mount Bromo. Wie der Zufall so will traf ich an der Rezeption des Hostels zwei Spanier, die ebenfalls zu den Vulkanen wollten. Die Hostel-Dame hing bereits am Telefon, um einen Fahrer zu organisieren. Aus zwei macht drei – so wurde es günstiger. Vor uns liegen 48 Stunden Madness, denn beide Vulkane wollen zum Sonnenaufgang bewundert werden. Nach einem schnellen Abendessen wurden wir um zehn Uhr abends abgeholt. Wie sich rausstellt sind wir: drei Chinesinnen, zwei Spanier und ich. Wir werden samt Gepäck auf zwei Autos verteilt. Bei dem ewigen Gehupe, der Festbeleuchtung und den zunehmend schlechteren Straßenverhältnisse war an schlafen nicht wirklich zu denken. Wir sind mittlerweile am Eingang zum Nationalpark angekommen. Es sind 5° – ich friere! Glücklicherweise haben sich dank des australischen Winters auch Jacke, Pulli und Mütze in mein Gepäck verirrt. Kleidungsstücke, die man nicht unbedingt bei einer Indonesien-Reise einpackt. Die lokale Bevölkerung hat die Marktlücke jedoch längst entdeckt: Handgestricktes wird verkauft und Wintermäntel werden verliehen. Mit einem Jeep geht durch die Nacht zur Aussichtsplattform. Über einen Kaffee schließen wir Freundschaft mit der gesamten Kaffee-Bude. Europäer sind in Indonesien eine Attraktion. Sandstein Kekse werden gereicht – staubtrocken und geschmacklos. Was man nicht alles isst aus Höflichkeit. Unsere neuen Freunde versuchen uns zu erklären, wo wir uns am besten positionieren. Wir folgen den Treppen rechts den Hang hoch. Im Dunkeln ist es zwar schwer sich zu orientieren, doch wir sind bereit: hinter uns stehen die Touristenmassen, Links geht die Sonne auf und vor uns im Tal versteckt sich der Vulkankrater. Wunderschön! Ich kann nicht aufhören Fotos zu machen.

Die Vulkanlandschaft wird zum Sonnenaufgang in oranges Licht getaucht

Die Vulkanlandschaft wird zum Sonnenaufgang in oranges Licht getaucht

Sonntag / 07:30 Uhr Ich balanciere oben auf dem Kraterrand entlang. Wir sind nicht die einzigen, die nach dem Sonnenaufgang am Vulkan halt machen. Zwar muss man auf den letzten Metern Schlange stehen, aber die schmale Treppe verhindert, dass zu viele Menschen gleichzeitig hier oben stehen. Vom Parkplatz geht es durch eine Aschewüste bergauf. Nach kürzester Zeit setzt sich überall der feine Dreck fest und meine Schuhe haben sich mittlerweile in Sandkästen verwandelt. Die Sonne brennt vom Himmel runter. Aus dem Vulkan steigt Dampf auf – offensichtlich giftig. Das Gestein ist gelb und die Wolke wirft einen bräunlich, schlierigen Schatten. Lange will man am Krater nicht ausharren, zumal ich mit meiner Höhenangst zu kämpfen habe. Und trotzdem es lohnt sich! Ich muss gestehen, dass wir meinetwegen Mt. Bromo beinah verpasst hätten. Unser Guide zeigte nach links und fragte: “Stopp?“ Ich sah nur einen alten Tempel und verneinte, denn müde wie ich war bzw. bin, habe ich den Krater hinter dem Tempel einfach übersehen. Offensichtlich verwirrt fuhr der Guide weiter, denn auf Grund von mangelnden Englischkenntnissen konnte er seine Frage nicht weiter spezifizieren. Die erwartete Reaktion kam schließlich von der Rückbank. Meine aufmerksamen Mitreisenden schrien halt. Atemberaubend – das ist das Adjektive, das ich wählen würde, um meine Emotionen am Vulkan zu beschreiben. Am Kraterrand habe ich ein Opferkörbchen entdeckt. Ich verstehe warum. Gefahr und Schönheit liegen an diesem Ort dicht beieinander. Aber genug erstmal! Jetzt möchte ich am liebste ein Bett, was zu essen und eine Dusche. Ich bekomme: einen Autositz, ein paar Kekse und ein Waschbecken. Weiter geht‘s!

Krater Mt. Bromo, Vulkan East Java

Nach dem Sonnenaufgang halten wir am Vulkan Bromo

Sonntag / 17:00 Uhr Unsere chinesischen Mitreisenden sind ein wandelndes Klischee. Wir sind mitten im nirgendwo angekommen. Als es heißt, dass es im Dorf weder WiFi noch Handyempfang gibt, erdolcht sich eines der Mädchen dramatisch mit einer imaginären Waffe. Interessante Prioritäten werden hier gesetzt. Ich kreise gedanklich eher um die Frage: in welches Bettchen darf ich mein Haupt betten und woher bekommen wir schnellstmöglich was zu essen. Das Hotel ist ausgebucht und die Küche noch geschlossen. Es ist bereits später Nachmittag und um ein Uhr morgens müssen wir bereits wieder aufstehen. Die Guides sind keine große Hilfe. Man will eine Familie aus ihren Betten ausquartieren – glücklich bin ich damit nicht. Als wir im Hotel nachfragen, findet sich doch noch ein einfaches Zimmer mit sechs Betten. Und im Dorf gäbe es ein Warung (ein einfaches indonesisches Restaurant). „One Nasi Goreng, please“ – einmal gebratener Reis, bitte. Und heute als Sonderbeilage habe ich eine Raupe im Essen entdeckt. Egal, ich habe Hunger und der Wurm ist ebenfalls gekocht worden. Beim Abendessen haben meine chinesischen Mitreisenden uns nicht begleitet. Wie wir bei unserer Rückkehr ins Hotel feststellen, haben sie stattdessen einen Reiskocher aus ihrem Gepäck gezaubert. Mein absolutes Highlight: drei Chinesen und ein Reiskocher! Ich dachte eigentlich ich hätte bereits zu viele Dinge dabei, aber meine Kochausstattung beschränkt sich auf ein Taschenmesser und eine Gabel. Neben dem Topf haben die drei auch Reis und Instantnudeln aus China importiert. Ich bin sprachlos. Und muss lachen! Es ist zu betonen, dass die indonesische Küche sich um Reis dreht. Alles kommt mit Reis. Oder wahlweise mit asiatischen Nudeln. Dazu gibt es irgendein Fleisch, gerne noch ein Ei und wenn man Glück hat drei Stücke Gemüse. Fertig! Mir kann niemand erzählen, dass deren Abendessen aus dem Kocher aufregender war als unseres. Okay, wahrscheinlich war das ihre Wurm-frei.

Viele Stunden fahren wir durch die Wälder im Osten der Insel Java

Viele Stunden fahren wir durch die Wälder im Osten der Insel Java – stets türmen sich am Horizont Vulkane

Montag / 03:30 Uhr Was mache ich hier eigentlich? Manchmal sollte man den Kopf einschalten. Oder besser recherchieren. Mit Gasmaske bewaffnet steigen wir in den Krater des Vulkans Ijen. Inwieweit die Masken helfen stelle ich Infrage. Das Design meines Exemplars schein der Weltkriegs-Epoche entliehen zu sein. Die Augen brennen und die Haut spannt. Unser Guide ist die Hälfte der Woche selbst Mienenarbeiter. Er ist stolz auf seine Arbeit und wünscht sich, dass seine Kinder ihm einmal folgen. Am Vulkan Ijen wird Sulfat für die Schönheitsindustrie abgetragen. Er erzählt, dass die Miene ein Familienunternehmen sei und an die 200 Familienmitglieder am Vulkan arbeiten. Jeder Arbeiter schleppe am Tag drei Fuhren mit je 90 Kilogramm Gestein an den Kraterrand. Um ihren Verdients aufzubessern werden Sulfat-Schnitzereien den Touristen angeboten. Was tue ich hier? Es ist düster, der Weg steinig und eine ganze Menge Dampf steigt auf. Arbeiter drücken sich mit ihren vollbeladen Körben an uns vorbei. Wir gehen bergab – sie bergauf. Die gelben Brocken werden am Ende des Tages mit kleinen Handkarren vom Kraterrand ins Tal befördert. Die gleichen Wägen werden in den Morgenstunden als Touristen-Taxis zweckentfremdet. Ein Mann schiebt und zwei ziehen. In mir ruft die Szene Erinnerung an den Lateinunterricht wach: hoch lebe das römisches Reich! Normalerweise versuche ich Armuts-Tourismus zu vermeiden. Minenarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit über die Schultern zu schauen fällt definitiv in die Kategorie. Und zweitens beachte ich beim Reisen (eigentlich) meine Gesundheit nicht unnötig aufs Spiel zu setzen. Tja, jetzt stehe ich hier und sehe nichts. Das Ziel unseres Abstiegs waren die blauen Flammen zu bewundern. Mit dem heutigen Qualm sei das jedoch zu gefährlich – eine Erkenntnis, die unseren Guide erst nach eineinhalb Stunden Abstieg ereilt. Manche Orte sollten einfach keine Touristen-Attraktion sein. Den Sonnen-Aufgang am Kraterrand hätte als Ijen-Trip absolut ausgereicht.

Mit Körben wird das Sulfat an den Kraterrand getragen; Touristen werden kleine Figuren angeboten

Mit Körben wird das Sulfat an den Kraterrand getragen und Touristen werden kleine Figuren angeboten

Montag / 06:00 Uhr Der Himmel erstrahlt in rot und rosa Tönen. Die Sonne klettert immer höher und langsam taucht sie den Kraterrand in goldenes Sonnenlicht. Das Türkis des Sees setzt sich gegen den rötlichen Vulkanstein ab und bildet einen starken Kontrast zum gelben Sulfat. Die Wolkenschicht lichtet sich leicht und gewährt einen Blick ins Tal auf Wälder und weitere Vulkane am Horizont. Und wieder kann ich nicht aufhören zu fotografieren. Was für ein Farbenspiel!

Mit dem Sonnenaufgang zeigt die Natur ihre Farbepracht

Mit dem Sonnenaufgang zeigt die Natur ihre Farbepracht

Montag / 17:00 Uhr wir sind endlich wieder in Surabaya. Die Rückfahrt dauerte sieben Stunden. Es ging durch mystische Wälder, vorbei an Kaffee-Plantasche und Reisfeldern. Zum Mittagessen haben wir einfach in einem der vielen Orte gehalten durch die wir gekommen sind. In Indonesien darf man sich oftmals seinen Teller am Buffet selbst zusammen, sodass man alles probieren kann. Das Essen war so vielfältig wie die Eindrücke der letzten Tage. Ein würdiger Abschluss zur Tour!

 

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