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Win(e)ing in Mendoza

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Allgemein

Ich sitze auf einem Fahrrad. Es geht gemütlich die Straße runter. Ich vorne weg und Kimmi hinter her. An uns düsen Busse im zehn Minuten Takt vorbei und alle paar Meter weichen wir Schlaglöchern aus. Um den Wein des größten und bekanntesten Weingebiets Argentiniens kennenzu lernen, muss man Mendoza selbst verlassen. Wir sind in Maipu auf der Weinstraße. Hier reiht sich eine Botega (Weingut) an die nächste – zumindest laut dem winzigen Stück Papiers in meiner Hand, die Karte unseres Fahrradverleihs. Unsere erstes Ziel ist aber erstmal der Ortsansässige Weinladen, erkennbar an der riesigen lila Weinflasche vor der Tür. Hier haben wir die Chance sechs Rote aus etwas ferner gelegenen Gütern zu probieren, und verlieben uns gleich in einen für die Region typischen Malbec. Das Label ist so hübsch. Gott sei Dank werden zum Wein auch Empanadas, gefüllte Teigtaschen, gereicht. Der Magen muss gefüllt werden neben dem ganzen bevorstehenden Wein, schließlich ist das Motto des Tages Wine & BIKE.

Wine & Bike

Wine & Bike

Das Weinmuseum war leider zu, daher ging es gleich weiter zum ältesten Weingut der Gegend. Es wurde gegründet von einer Frau – undenkbar in der Zeit, aber ihr Mann starb bei der Überfahrt von Italien nach Argentinien und sie hatte fünf Kinder zu versorgen. Unser Highlight ist jedoch das zweite Weingut. Das Mittagsessen lässt leider zu wünschen übrig (in der Mikrowelle aufgewärmte Nudeln), dafür sind die Weine umso besser. Ich habee selten einen so guten Rosé getrunken. Auch hier wieder: Die Gestaltung ist hübsch. Von der Terrasse haben wir perfekte Sicht auf die Anden, wir sind umgeben von Weinstöcken und Olivenbäumen und über uns kreisen Vögel– dieser Ort ist definitiv ein happy-place. Insgesamt radeln wir gemütlich die ewig Straße hoch und runter und erkunden neben dem Laden noch drei Botegas. Am Abend geht es zurück nach Mendoza, beladen mit sechs Flaschen Malbec. Wine & Bike – best idea ever!

Mendoza trinkt kein Wein

Mendoza ist im klassischen Sinne keine hübsche Stadt mit architektonisch wertvollen Gebäuden oder vielen touristischen Attraktionen. Nichtsdestotrotz hatten wir kein Problem hier fast eine Woche zu verweilen. Wir waren gesegnet mir Sonnenschein und 35 Grad. Mendoza hat flair. Im Vergleich zu Santiago de Chile reihen sich kleine, bewachsene Häuser am Straßenrand auf. Selbst wenn man den Innenstadtbereich verlässt, sieht es noch putzig und geordnet aus. Zur Erklärung, wir haben Couchsurfing versucht – besser versuchen wollen. Mit Sack und Pack ging es los, doch leider war es nicht so leicht wie gedacht. Wir haben die Hausnummer 186 gesucht, als wir endlich die besagte Straße gefunden hatten, gab es nur die Nummern 600-700. Wir wollten aussteigen und zu Fuß weitersuchen. Der Taxifahrer erklärte uns das die Gegend gefährlich sei – auch wenn es nicht so aussah. Das Taximeter wurde ausgestellt und weiter ging’s kreuz und quer durchs Viertel. Sein Ehrgeiz war gepackt. Gefunden haben wir es zwar, doch es sollte einfach nicht sein. Nach eineinhalb Stunden Taxifahrt, einem unbeantwortetes Schellen an der richtigen Tür und ein Busfahrt später, standen wir wieder in der der Innenstadt und haben uns erst mal mit einem guten Essen belohnt.

In Mendoza reiht sich eine Bar and die nächste

In Mendoza reiht sich eine Bar and die nächste

In den Alleen drängt sich eine Bar an die andere – interessanterweise trinkt hier keiner Wein, sondern jeder nur Bier. Es gibt Craftbier, Exportbier, aber kaum Wein. Die Straßen wirken in ihrer Breite zwar majestätisch, die Struktur jedoch wurde aus dem Zweck heraus geboren. Bei Erdbeben bieten sie genügend Platz, damit herunterfallende Steinbrocken keinen übermäßigen Schaden anrichten; und Erdbeben, zumeist kleine, gibt es hier viele. Auch während unseres Aufenthalt haben die Scheiben beim Frühstück zu klirren begonnen. Das die Erde kurz wackelt ist eben Alltag.

Eine wunderbare Überfahrt

Oben in den Anden

Oben in den Anden

Wäre Mendoza nicht ein solcher Erfolg gewesen, allein für den Bergpass über die Anden hat sich die ganze Reise schon gelohnt. Hier türmen sich die Erdmassen zu einer beeindruckenden Bergkette mit schneebedeckten Spitzen und grünen Tälern auf – ein krasser Gegensatz zu den flachen, trockenen Anden Boliviens. Offiziell sind es nur vier Stunden, einmal hoch und wieder runter von Santiago nach Mendoza. In Realität haben wir um die acht mit dem Bus gebraucht. Fairerweise ist zu erwähnen, dass wir drei Stunden an der Grenze Chile/Argentinien ausgeharrt haben, weil wir genau zu Mittagszeit als letzter Bus oben angekommen sind. Stichwort Stoßzeit. Andersrum war der Stau noch länger. Jeder Reisende braucht ein Ein- und Ausreisestempel und anschließend wird das gesamte Gepäck durchleuchtet. Bei der Einreise nach Chile gibt es noch eine weitere Hürde: die Agrarkontrolle. Es darf kein Obst oder Gemüse, keine Milch- oder Fleischprodukte und auf gar keinen Fall Kräuter, Samen oder Nüsse eingeführt werden. Was eher schwierig ist, wenn einem nach dem Grenzübertritt kein Essen für den längeren Teil der mehrstündigen Busfahrt mehr bleibt. Ganz verstehe ich es nicht. Ich kenne das bereits bei Inseln mit einem fragilen, abgeschlossenen Ökosystems, wie Neuseeland oder Australien, aber Chile… Erklärt wurde mir, dass es hier Pflanzen und Tiere gibt, die sonst nirgends existieren. Macht Sinn soweit. Warum allerdings nicht innerhalb des Landes zwischen den einzelnen Klimazonen kontrolliert und reguliert wird, erschließt sich mir nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kräuter, Nüsse und co. aus Patagonien weniger gefährlich für die Pflanzen in der Atacama-Wüste sind, als die aus Mendoza – aber gut, was weiß ich. Biologie war leider nicht meine Stärke. Fakt ist jedoch, dass wir als kleine Europäer jedes mal mehrere Stunden schwitzend an der Grenze stehen und nicht wissen was wir wegschmeißen, angeben oder einfach verheimlichen sollen. Da lobe ich Schengen!

Mendoza einmal hin und zurück – eine unseren besseren Spontan-Entscheidungen. Ich liebe das Reisen ohne Plan!

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